Johannes Debus

Dirigent

Musikdirektor Canadian Opera Company (COC)
»Wenn die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt sind, dann ist auch jede Musik das Tor zu einer neuen (Klang-)Welt. Sie gibt uns die Möglichkeit, in neue Dimensionen vorzustoßen, die weniger begrenzt sind als das, was wir in unserem Alltag erleben.«
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Die Karriere vieler Dirigenten fängt vor dem eigenen Spiegel an. Johannes Debus erzählt, wie er als Kind zu Beethovens Eroica dirigierte und seine Geschwister ihn damit aufzogen. »Spiel doch wenigstens Luftgitarre.« Was aber passiert, wenn aus Luftkunst wirklich Musik wird, erkannte Debus dann mit Vierzehn, als er im heimischen Speyer ein Bruckner-Konzert mit Günter Wand im Fernsehen sah. »Ich habe verstanden, was die mystische Synergie von Handbewegung, Gesten, Körpersprache und Mimik auslösen, wie sie einen gemeinsamen musikalischen Grundgedanken formen kann. Es war magnetisch.«
Aber anders als der Magnetismus entsteht die Musik für Debus nicht aus der Spannungsenergie entgegengesetzter Pole, sondern dem wechselseitigen Dialog zwischen Dirigent und Orchester. »Als Dirigent muss ich mit einer Vorstellung von der Musik in Vorleistung gehen, ich muss eine klare Idee haben, wie ich sie spielen und wie ich das vermitteln möchte«, erklärt er. »Gleichzeitig muss ich hören, was diese Gruppe hochqualifizierter Musiker als Klang anbietet, das annehmen und versuchen, es einzubauen.«

Das gemeinsame Musizieren braucht das Vertrauen, dass etwas entstehen kann, ohne es zu erzwingen. Debus versteht es als seine Verantwortung als Dirigent, diesem Raum den Rahmen zu geben. Kein Maestro im Elfenbeinturm, sondern Konstrukteur einer fließenden, zerbrechlichen Gestalt aus Spielen und Hören. »Wenn die Verbindung da ist, können und wollen die Musiker als Kollektiv funktionieren. Dann lässt sich alles erreichen. Es gibt nichts Schöneres, als ein Orchester, das mit glühenden Augen und Herzblut auf der Bühne ist.«
„COC music director Johannes Debus keeps his 100-plus orchestra on a tight leash, rarely, as so often occurs with Elektra, allowing their enthusiasm to drown out the singers. And, while Strauss’s score may have come as a shock in 1909, it is a wondrous marvel for today’s ears when so expertly elucidated by Debus.”The Toronto Star
Seine Bewegungen haben sich dabei im Laufe der Jahre immer weiter auf das Wesentliche reduziert. »Anfangs ist man sehr stark auf das Choreographische und das schlagtechnische Handwerk fixiert. Aber es ist nicht so, dass je mehr man hineingibt, desto mehr auch zurückkommt«, erzählt er. Sein dirigentisches Idealbild: pure Musik, gestisch kommuniziert.

Das Handwerk hat Debus an der Oper Frankfurt gelernt, wo er 1998 nach seinem Dirigierstudium in Hamburg als Korrepetitor anfing. Als Kapellmeister erarbeitete er sich dort später ein Repertoire von Mozart über Verdi bis Adès. »Es war ein Glücksfall, fast zehn Jahre lang an einem so innovativen Haus kontinuierlich wachsen zu können.« In Frankfurt lernte er auch Hans Werner Henze kennen, dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb.

Seit 2009 ist Debus Musikdirektor der Canadian Opera Company in Toronto. Er mag die Diversität und offene Arbeitsatmosphäre der Stadt. Hier findet er Neugierde und Risikobereitschaft vor, um die Bandbreite seines Repertoires kontinuierlich zu erweitern. Unter seiner musikalischen Leitung ist die internationale Reputation und Sichtbarkeit des größten kanadischen Opernhauses in den letzten zehn Jahren stetig gewachsen. Auch die pädagogische Arbeit gewinnt dabei für Debus zunehmend an Bedeutung. In Toronto leitet er die einzige Orchesterakademie mit Schwerpunkt Oper in Nordamerika und dirigiert regelmäßig Konzerte mit den Studenten des Royal Conservatory Orchestra, beim Aspen Music Festival gibt er Meisterkurse.

Debus bezeichnet sich als transatlantischen Hybrid. »Einen Fuß auf beiden Kontinenten zu haben, ist sehr bereichernd. Ich habe das Beste aus beiden Welten und versuche, sie zu verbinden.« In Nordamerika ist Debus zu Gast bei den großen Symphonieorchestern wie dem Cleveland Orchestra und dem Boston Symphony Orchestra. 2016 feierte er mit Salome sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera. In Europa dirigiert Debus das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, das hr-Sinfonieorchester und das Hallé Orchestra sowie an der Bayerischen Staatsoper München, der Staatsoper Unter den Linden Berlin, der Oper Frankfurt, der English National Opera und der Opéra National de Lyon. Sein Debüt bei den BBC Proms gab er 2014 mit der Britten Sinfonia, 2015 leitete er eine Neuproduktion von Hoffmanns Erzählungen bei den Bregenzer Festspielen. Als Gastdirigent stand er bei mehreren internationalen Festivals wie der Biennale di Venezia und den Schwetzinger Festspielen, dem Festival d'Automne in Paris, dem Lincoln Center Festival, der Ruhrtriennale, dem Suntory Summer Festival und dem Spoleto Festival auf der Bühne.

Der 1974 geborene Debus sieht sich als Generalist. Er fühlt sich bei Monteverdi und der Wiener Klassik genauso zuhause wie bei Janáček und der Musik des 20. Jahrhunderts. Zeitgenössische Musik und die Kooperation mit renommierten Neue-Musik-Ensembles wie dem Ensemble intercontemporain, dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien und der Musikfabrik bilden ein wichtiges Kontinuum seiner Arbeit. »Ich möchte nichts von dieser musikalischen Vielfalt missen«, sagt Debus. »Wenn die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt sind, dann ist auch jede Musik das Tor zu einer neuen (Klang-)Welt. Sie gibt uns die Möglichkeit, in neue Dimensionen vorzustoßen, die weniger begrenzt sind als das, was wir in unserem Alltag erleben.«

2020/21
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Kontakte: Arnold Simmenauer, Katja Hippler

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PARSIFAL: "Procession of the Knights of the Holy Grail" | COC Orchestra

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