Martina Gedeck

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Biografie

Wenn Selbstbewusstsein das Wesen der Frauen ist, die Martina Gedeck auf der Bühne oder im Film gespielt hat, dann ist es ein zögerliches, ein nachdenkliches, ein sehr verletzliches Selbstbewusstsein. Immer ist zu spüren, dass diese Figuren nicht ‚fertig’ sind, dass sie um sich und ihren Weg ringen, dass sie sich durchsetzen wollen, gegen alle Hindernisse. Dem Zuschauer kommen sie durch ihre Natürlichkeit nahe, sie erwecken Vertrauen, sie bewegen sich im Alltäglichen mit Tapferkeit und Trotz, mit einer Leidenschaft, die anrührend und aufrüttelnd ist. Martina Gedeck lädt in ihrem Spiel zu Entdeckungen ein, sie stellt Menschen so dar, dass alles Fremde wegschmilzt und man immer mehr über ihre Schicksale erfahren möchte. Auf zurechtgemachte, glatte Schönheit kann sie verzichten – in ihrem ausdrucksstarken Gesicht leben Menschengeschichten mannigfaltiger Art, traurige, heitere, solche voller Zuversicht – und Entsagung. Es sind Geschichten, die sich tief einprägen und nicht vergessen werden können. Offenheit und Freundlichkeit, Schmerz und tiefes Versunkensein, vor allem aber Ehrlichkeit. So wenig Gedeck sich festlegen lässt, so sehr bleibt sie sich treu. Sie will Lebensnähe, sie will mit ihren Figuren zeigen, was dem Menschen aufgegeben ist und wie er in unserer Welt bestehen kann, sei es auf der Leinwand, der Theaterbühne oder in ausgewählten Musikprojekten.

Geboren in München, in Berlin lebend und dort auch an der Hochschule der Künste (Max-Reinhardt-Seminar) ausgebildet, gehört Martina Gedeck zu den international erfolgreichen, gefeierten Schauspielerinnen unserer Zeit. Theater und Film wird sie gleichermaßen gerecht, auch wenn der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf filmischem Gebiet liegt. In mehr als 80 Kino- und TV-Produktionen hat sie bisher mitgewirkt, stets mit nachhaltigem Erfolg. Im Oscar-gekrönten Film Das Leben der Anderen gelang ihr mit der sensiblen, innerlich zerrissenen und doch in ihrem schöpferischen Wollen unbeirrbaren Schauspielerin Christa Maria Sieland eine ihrer überzeugendsten Leistungen. In dem Film Die Wand zeichnet sie das verstörende Portrait einer von der Welt abgeschnittenen Frau, die um ihr seelisches Überleben kämpft. Am Deutschen Theater Berlin spielte sie zuletzt die Titelrolle in Lessings Minna von Barnhelm. Im Januar 2020 ist sie auf der Bühne der Staatsoper Berlin wieder in Beat Furrers Oper Violetter Schnee als ‚weiße Frau’ zu sehen, einem Wesen, das sich im Zwischenraum Leben/Tod aufhält.

Einen besonderen Platz in ihrem künstlerischen Schaffen nimmt das gemeinsame Konzertieren mit Musikern ein: Als erfahrene und ausdrucksstarke Sprecherin Poesie mit Musik zu verbinden, ist die Essenz ihrer Arbeit mit namhaften Ensembles und Solisten. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Musikalischen habe über die Jahre auch ihre Haltung zum gesprochenen Wort nachhaltig beeinflusst, so Martina Gedeck. Inhalte und Bedeutung über den reinen Wortsinn hinaus zu transportieren, zu gestalten und offenzulegen sei die besondere Stärke des Klangs und der Musik.

Entstanden ist über die Jahre ein vielfältiges Repertoire unterschiedlichster musikalisch-literarischer Couleur. So zählt zu Martina Gedecks aktuellen Projekten die Zusammenarbeit mit Harfenist Xavier de Maistre, die Werke Debussys, Liszts, Tárregas, Albéniz’ und Reniés mit Dichtungen von Rilke, Lasker-Schüler, Wilde, Eichendorff und Leconte de Lisle zusammen bringt. Gemeinsam mit dem Schumann Quartett präsentiert sie einen Abend über die Dreiecksbeziehung zwischen Robert Schumann, Clara Schumann und Johannes Brahms. Eine Konzertlesung mit Georg Nigl und Elena Bashkirova, in der Lieder von Schubert bis Eisler und Texte von Goethe bis Brecht in ihrer Bedeutung hinterfragt werden, wird im November 2020 die Premiere in Brüssel haben. Nach ihrem erfolgreichen Else Lasker-Schüler Projekt wird es in 2021 auch wieder zu einer Zusammenarbeit mit Avi Avital um das Thema „Glaube und Wissen“ kommen.

2020 / 2021
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Bilder

Programm

Dreiecksgeschichten
mit dem Schumann Quartett

Düsseldorf 1853, der junge Johannes Brahms besucht Robert und Clara Schumann und begeistert das Paar mit seiner Kunst. Es entwickelt sich eine der bedeutendsten Künstlerfreundschaften des 19. Jahrhunderts, deren Beteiligte sich gegenseitig künstlerisch beflügeln. Ein Dreierbündnis, das aber auch umweht ist von Rätseln und Mutmaßungen.

Briefe und Texte um das Verhältnis zwischen Johannes Brahms, Clara und Robert Schumann sowie Werke von Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann.

Je länger, je lieber. Lieder und Couplets
von Schubert bis Eisler, von Goethe bis Brecht

mit Georg Nigl (Bariton) und Elena Bashkirova (Klavier)

Ohne Musik, hat Friedrich Nietzsche gesagt, wäre das Leben ein Irrtum. Seit Menschengedenken erfassen Dichter und Komponisten Augenblicke des Daseins mit all den Schrecken und Abgründen und entwerfen Gegenwelten zur real existierenden Welt, um mit dem Zauber der Kunst einen Abglanz vom Paradies zu erhaschen, aus dem die Menschen einst vertrieben worden sind.

Mit den hier ausgewählten Liedern, Texten und Couplets haben die Dichter und Komponisten den Blick von der mühseligen Gegenwart und beladenen Vergangenheit nicht abwenden wollen, auch wenn in den sogenannten ‘schönen’ Stellen der Kompositionen oftmals künstliche Paradiese anklingen, die das irdische Schicksal der Menschen transzendieren.

 

Gerhard Ahrens Dramaturgie

NN Lichtregie

Licht und Schatten
mit Xavier de Maistre (Harfe)

Texte von Else Lasker-Schüler, Edgar Allen Poe, Leconte de Lisle, Oscar Wilde, Joseph von Eichendorff

Musik von Claude Debussy, Henriette Renié, Franz Liszt, Francisco Tarrega

Ost-West
mit dem Scharoun Ensemble Berlin

Mark Andre: Drei Stücke für Ensemble (2018)

Paul-Heinz Dittrich: Kammermusik XVII

Friedrich Goldmann: Vier Stücke für Viola, Violoncello, Kontrabass (1986)

Hans Werner Henze: Quattro fantasie (1958/63)

 

Texte von Ingeborg Bachmann, Heiner Müller, Paul Celan

Else Lasker-Schüler: Mein Herz
Aufbruch in die Moderne

mit Avi Avital (Mandoline), Dávid Adorján (Violoncello)

Auszüge aus „Mein Herz.“ Ein Liebesroman mit Bildern und wirklich lebenden Menschen.

Der Roman war zuvor in Fortsetzungen mit dem Titel “Briefe nach Norwegen” in Herwarth Waldens Hamburger Zeitschrift der „Sturm“ und in der “Fackel“- herausgegeben von Karl Kraus in Wien – erschienen. Die ausgewählten Gedichte wurden zwischen 1900 und 1943 in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften publiziert.

 

Musik von Kodály, Widmann, Ravel, Henze, Glière, Bloch, Bartók, Schulhoff

 

Eingerichtet von Stephan Barbarino

Ton: Robert Lenzbauer

Glaube und Wissen
mit Avi Avital (Mandoline), Maurice Steger (Blockflöte), David Bergmüller (Laute), Hille Perl (Viola da Gamba), Sebastian Wienand (Orgel/Cembalo)

J.S. Bach: Auszüge aus dem „Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach”
J.S. Bach: Auszüge aus dem „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach”

 

Die Musik dieser beiden Bücher (das erstere didaktisch angelegt – den Fähigkeiten des Sohnes zuerkannt; das zweite spirituell gedacht – aus Liebe zu seiner Frau) wird in diesem Programm mit Texten um das Thema “Glaube und Wissen” verbunden.

Diskografie

Fanny & Felix Mendelssohn: Zwei Leben für die Musik
Eine Hörbiografie von Jörg Handstein
Gelesen von Martina Gedeck, Sabin Tambrea, Udo Wachtveitl u.a.

Videos

Operntrailer "Violetter Schnee", Staatsoper unter den Linden Berlin, 2019

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